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Montag, 7. März 2016

TOP 50

Die Verlorenen Zeilen der Liebe in den TOP 50



Liebe Leser,

ich bin den meisten meiner Leserinnen und Leser vor allem als Thriller-Autorin bekannt. In dem Roman „Die verlorenen Zeilen der Liebe“, eine Liebeserklärung an das Leben, die Liebe und die Freundschaft, zeige ich mich von einer anderen Seite: poetisch und romantisch. Dennoch ließ es sich mit einem Augenzwinkern nicht vermeiden, dem Roman einen Hauch „Arte-Thrill“ einzuflößen.

„Die verlorenen Zeilen der Liebe“ ist besonders der Liebe und der Freundschaft. Wir suchen alle in unserem Leben nach einem Menschen, der uns das Gefühl gibt, angekommen zu sein. Diese Suche drückt sich in Form von Sehnsucht aus - ein Wort, das mit großen Gefühlen verbunden ist. Auch dieser Roman handelt von den großen Gefühlen, entsprungen aus unsäglichem Leid.
Immer wieder höre ich von Menschen, deren Leben aus dem Takt geraten ist, weil sie eine "schwere Kindheit" hatten, wie die Protagonistin Lilly. Liebe, Vertrauen und Geborgenheit sind Gefühle, die für Kinder existenziell sind, damit sie sich gesund entwickeln können. Wem die Mutterliebe fehlt oder wer kein Urvertrauen kennengelernt hat, der wird oft ein Leben lang von einer rastlosen Suche nach Liebe und Geborgenheit getrieben. Für die Betroffenen ist diese zwanghafte Suche jedoch oft eine schwere Belastung. Manchmal schlüpfen sie in eine andere Identität oder verharren in einer Scheinwelt. Dann braucht der Betroffene Hilfe. Liebe und Freundschaft kann den Knoten entwirren. Seien Sie deshalb bitte Freund oder Partner, denn Liebe ist ein geschützter Raum, Vertrautheit, Altbekanntes, auch durch Rituale vermittelt. Sie ist untrennbar verknüpft mit der Kultur, in der wir sozialisiert wurden.

Wahre Freundschaft oder Liebe ist nichts „Gemachtes“ oder „Erzieltes“, sondern nur ein Akt des Erkennens. Das, was zwischen uns uralt ist, soll uns behüten, beschützen und zusammenhalten. In diesem Sinne sende ich Euch sonnige Grüße mitten ins Herz.

Mein Dank geht an die vielen Leser, die mir so viel Freunde mit ihren wunderbaren Mails gemacht haben.

Astrid Korten


Samstag, 27. Februar 2016

Literaturkritik Die verlorenen Zeilen der Liebe von Sabine Ibing


zeitgenössische Romane
Rezension
Die verlorenen Zeilen der Liebe von Astrid Korten
«Die Liebe stirbt nie eines natürlichen Todes, sondern an Vernachlässigung, Nachlässigkeit, Blindheit, Gleichgültigkeit, Selbstverständlichkeit, Unverstand und sie zudem in ein Korsett zu zwängen und nicht zu kultivieren, ist ein tödlicher Fehler.» Chloé steckt in den Hochzeitsvorbereitungen, als sie ein Bündel Briefe erhält. Lilly, ihre vor zwei Jahren verstorbenen Schwester hatte sie an Chloé geschrieben, aber nie abgeschickt. Dieses Buch hat mich als Rezensent zu langen Zwiegesprächen gebracht, um nichts zu verraten: Das Buch ist ein Liebesroman. Nein, das würde dem Text nicht gerecht werden. Doch, es ist auch ein Liebesroman, eine Amour fou. Der Roman lässt sich in keine Schublade zwängen und hat mich in der Gesamtkomposition beeindruckt, Spuren hinterlassen, weil … Halt! Du verrätst zu viel, für die, die das Buch noch nicht kennen. Stimmt. Und darum bezieht sich die Rezension nicht auf meinen Gesamteindruck, über den ich gern etwas mehr gesagt hätte. Fangen wir mit der Amor fou an. Was ist das? Eine Obsession, eine leidenschaftliche Liebe, eine, die keine Bodenständigkeit besitzt, weil sie keinen Bestand hat, eine die nicht sein darf, weil irgendetwas zwischen den Liebenden steht. Die typische Grundlage eines Liebesromans, der entweder in märchenhafter Traumhochzeit endet oder tragisch, wie wir es aus Romeo und Julia kennen. Halt, wird einer denken, Astrid Korten schreibt harte Thriller … Nein, hier ist alles ganz anders. Auf den ersten Seiten hat mich das Buch nicht packen können, aber es war gut zu lesen. Doch als die Geschichte von Lilly begann, erste Briefe zu Tage kamen, tauchte ich in den Roman ein. Lilly kommt vom Lande nach Paris, um Literaturwissenschaft zu studieren, wohnt bei ihrer Tante. Die junge Frau möchte aber mehr, in ihr steckt die Sehnsucht nach Liebe, die Sehnsucht etwas zu erleben, ihrer Jugend freien Lauf zu lassen. Lilly ist ein wenig verstaubt, trägt Petticoats, einen altertümlichen Haarschnitt und sie ist ein naives Gänschen. Im Café de Flore bekommt sie einen Kellnerjob, lernt dort Monsieur Inconnu kennen, wie sie den Mann in ihren Briefen nennt. Der erfolgreiche Geschäftsmann ist wesentlich älter als sie, sieht blendend aus, besitzt großen Charme und er ist verheiratet. Eine Liebschaft beginnt. Lilly ist unsterblich verliebt in diesen Mann. Monsieur Inconnu lernen wir auf seine Weise kennen, im Gespräch mit seinem Freund. Armand, so heißt Monsieur Inconnu richtig, betrachtet Frauen als amüsantes Spielzeug, das man benutzt und ersetzt, wenn es langweilig wird. Dazu hat er sich eigens ein Appartement im Herzen von Paris gemietet. Von Anfang an erklärt er Lilly, er sei verheiratet und sei nur auf eine Obsession aus, mehr nicht. Die lebensfrohe und leidenschaftliche Lilly, unerfahren in der Liebe, akzeptiert das, doch im Hinterkopf ist sie sicher, Monsieur Inconnu von der Tiefe ihrer Liebe überzeugen zu können. «Er ist das Gegenteil von mir. Ihm ist es egal, was die anderen denken. Und er entschuldigt sich nie, für nichts. Nie fühlt er sich jemandem unterlegen und bedauert nicht einmal seine Ahnungslosigkeit in Sachen Liebe.» In ihren Briefen berichtet Lilly ihrer Schwester von Monsieur Inconnu, von ihrer Vorstellung der romantischen Liebe. Lilly schreibt auch Gedichte. Ihre Briefe sind jugendlich-naiv und melancholisch, voller Gefühl, aber auch beschwingt. Lilly berichtet von ihren bösen Träumen, irgendetwas aus ihrer Kindheit möchte ans Tageslicht steigen … Eines Tages begeht Lilly einen folgeschweren Fehler. „Er hat mich buchstäblich zerstört. Ich bin bis auf die Grundmauern abgebrannt. Vielleicht kann ich mich wieder aufbauen, vielleicht nicht. Er sagt, Besessenheit sei heilbar. Sex wird häufiger mit Liebe verwechselt.» Astrid Korten beschreibt ein junges Mädchen, das behütet aufgewachsen ist und das Böse nicht kennt, naiv meint, mit großem Vertrauen diese Welt erobern zu können. Auf der anderen Seite haben wir Armand, einen narzisstischen Mann mit starker Ausstrahlung, liebesunfähig. Er ist erfolgreich, gutaussehend und erotisch. Das Mädchen ist fasziniert, sie glaubt an die einzig wahre Liebe, die sie in ihm gefunden zu haben glaubt. Im Vergleich mit den loddrigen Studenten, die lieber politische Dinge diskutieren wollen, steht Armand für Lilly gottgleich da. Aber wir sehen auch in die andere Seite der Seele von Lilly, die etwas tief im Inneren vergraben hat, das heraus will. Was bedrückt sie? Astrid Korten schreibt psychologisch fein beobachtet. Man fühlt mit der zerbrechlichen Lilly, mag sie aufwecken und man mag Armand die Faust zeigen, obwohl dieser auf seine Weise nie unehrlich ist. Sprachlich lernen wir Astrid Korten von einer anderen Seite kennen, leidenschaftlich und melancholisch, passend zu ihrer Protagonistin. Ein feines Psychogramm das sich bis zum Ende wie ein Netz zusammenspinnt. Dieses Buch schlicht einen Liebesroman zu nennen, wäre ungerecht, Gesellschaftsdrama ist passender. Meine Empfehlung auch an die Leser, die Liebesromane weniger mögen. Dazu gehöre ich übrigens auch.
http://www.sabine-ibing.ch/rezension-sabine_ibing-Die_verlorenen_Zeilen_der_Liebe-Astrid-Korten.htm

Montag, 13. Juli 2015


De Rezension:
KAPUNKT schreibt:
Die Verlegerin Alma wird aus ihrem Lebensalltag herausgerissen. Eine Herz-OP sorgt dafür, dass sie in der Mitte ihres Lebens Bilanz zieht und mit ihrem Selbst und ihrem frustrierenden Alltag aufräumt: Ehemann, Job, Privatleben – alles wird auf den Prüfstand gebracht und in der Unzufriedenheit entlarvt. Sie findet ihre Conclusio: Jetzt ist Schluss mit nett. Sie will ein schlechter Mensch werden. Ein entsprechendes Manuskript hilft ihr auf diesem Weg.
In einem Chatroom findet sie Frauen in ähnlicher Situation: Marie, Sophie und Greta. Frustriert von ihren Jobs, ihrem Familien- und Eheleben findet ein „Klub der Teufelinnen“ zusammen. Fremde Frauen, verbunden durch ihre entfesselte Wut, die durch ihre Leidensgemeinschaft zu Seelenverwandten werden. Der Frauenklub entwickelt eine eigenständige Dynamik: Waren die Frauen um Alma zunächst „nur“ Vertraute, die sich gegenseitig im frustrierenden Alltag beistanden und ihre immense Wut teilten, weiten sie ihren Aktionsradius nach und nach aus und verstehen sich zunehmend als Rächerinnen der Frauen. Denn wer sind die Täter bei Gewalt, Vergewaltigungen und Mord? Meist Männer – die immer mehr ins Visier der Frauen geraten. Schon bald müssen sich die Männer im Dunstkreis der Frauen warm anziehen, denn eine Verfehlung und die Rache der Frauen kann fürchterlich sein.
Die Handlung der Rache gipfelt im kaltblütig geplanten Mord am „Afghanen“. In dieser Zuspitzung wird eine Klimax der Gegenüberstellung zweiter Systeme deutlich: Auf der einen Seite steht hier die Absolutheit der männlichen Gewalt gegenüber Frauen, der auf der anderen Seite mit der kaltblütigsten der weiblichen Rache begegnet wird. Der Höhepunkt der Rache ist erreicht, die (mit Dürrenmatt gesprochen) schlimmst mögliche Wendung … Oder? Was kann nun noch kommen?
Doch wo die Rache aufhört, fängt das Netz der Spinne erst an. Und die hat einen eiskalten Plan geschmiedet.
Astrid Korten gelingt ein gewohnt erstklassiger Thriller – ohne Blutvergießen, dafür mit umso mehr Kalkül. Sorgfältige Recherche führte dazu, dass es sich nicht nur um spannende Unterhaltung handelt, sondern vor allem auch um ein Psychogramm der Frauen als Rächerinnen. Denn Frauen rächen ganz anders an Männer und können extrem grausam sein – auch ohne Blutorgien. Warum Frauen zu Mörderinnen werden, welche gruppendynamischen Prozesse für das Fortschreiten sorgen, wo die Motive hinführen und welcher Methoden sich Mörderinnen bedienen, wird im Thriller hervorragend herausgearbeitet. Das Genderthema ist eines der bestimmenden in der ganzen Handlung, was den Thriller zu einer Studie über die Psychologie des Weiblichen macht. Die Töchter der Eva funktionieren in ihrer Psychologie anders als ihre männlichen Pendants, was sie für die Psychologie des Thrillers und Kriminalromans so interessant machen. Dieser neue Blick ist es, was den „Eiskalten Plan“ so erschreckend lesenswert macht. Man lernt, dass man Frauen lieber nicht zum Äußersten treiben sollte …
Erzähltechnisch hat sich Astrid Korten wieder einmal selbst übertroffen. Sie nimmt den Leser mit auf eine fesselnde Reise zu den Abgründen des Menschlichen. Zunächst bleibt die Handlung auf ihrer eigenen, stringenten Schiene, bevor komplett unvorhersehbare Wendungen erst das offenbaren, was eine Täterin wirklich fertigbringt, wo Mord bei Weitem nicht das Schlimmste ist. Ein klassisches „Whodunnit“ braucht der Thriller nicht. Nicht das „Wer“ ist entscheidend, sondern das „Wie“ und „Warum“ – obwohl sich hier eine Überraschung bereithält. Aber es soll nicht zu viel verraten werden. Nur so viel: Wie in einem Kaleidoskop fügen sich die Steinchen zusammen und ergeben am Schluss ein ganz neues Muster, das man anfangs nicht zu ahnen vermochte. Es wird alles einen grausamen Sinn ergeben.
Aber wie man es von Astrid Kortens Thrillern gewohnt ist, hört die Brisanz der Handlung nicht mit dem Showdown auf. Vielmehr werden philosophische Fragen berührt, die nicht nur den Kriminalroman seit jeher beschäftigen. Was darf man im Namen des Guten tun? Wann heiligt der Zweck die Mittel – sofern er sie überhaupt heiligt? Wie weit ist man seinen Verbündeten verpflichtet? Und nicht zuletzt: Was bedeutet Freundschaft eigentlich? Diese Fragen sind es, die zwischen den Zeilen behutsam, aber deutlich behandelt werden und eine nachdenkliche Leserin (und einen nachdenklichen Leser) zurücklassen.
Am Ende ist nichts mehr so, wie es mal war. Auch bei der Leserin nicht.

Ein Fünf-Sterne-Thriller der Extraklasse, der mit nichts vergleichbar ist, was der übliche Markt dem Leser bereitstellt! Liebe Astrid Korten, bitte mehr davon

Mittwoch, 1. Juli 2015